PHASEFÜNF

Diamanten und andere Glaubenssätze 20. Januar 2017

„Es braucht Druck, um Diamanten zu erzeugen!“

Diesen Satz habe ich heute zu hören bekommen. Er ist mir und wohl vielen Menschen wohlvertraut. Er wird uns gerne gesagt, wenn wir auf viel Arbeit und Stress eingestimmt werden sollen. Unser inneres Kind wird aufgefordert, sich in die Anpassung zu begeben und möglichst klaglos zu tun, was von uns erwartet wird. Keine Rebellion bitte!

Auf die Motivation von Menschen bezogen, beinhaltet dieser Glaubenssatz die gesammten Wertvorstellungen unserer Leistungsgesellschaft. Es juckt mich, diese Wertvorstellungen aus transaktionsanalytischer Sicht näher zu betrachten.

Diamanten sind der härteste natürliche Stoff, quasi unbezwingbar. Sie haben in unserer Gesellschaft einen ökonomisch hohen Wert. In die exakte Form geschliffen sind sie der Inbegriff von Werthaltigkeit. Daher sind sie teuer und begehrenswert. Ihr Besitz führt zu einer Selbstaussage des Besitzers: „Schau ich bin wertvoll, denn ich kann mir diesen Diamanten leisten und mich mit ihm schmücken.“ oder anders gesagt: „Bitte versichere mir, dass ich okay bin, indem du meinen Diamanten bewunderst.“

„Druck ist gut, Druck ist notwendig, nur Druck bringt uns zu außergewöhnlichen Leistungen!“ Diese Botschaft ist offensichtlich immer noch eine wichtige Wahrheit in unserem Leistungssystem. Druck erscheint also immer noch als ein wichtiger Motivator. Dar dazugehörige Fachbegriff ist die »Extrinsische Motivation«, in diesem Falle sogar als Motivation der Schmerzvermeidung. Wehe, nur wenn ich mich mehr anstrenge, wenn ich mehr aushalte, wenn ich mich doller beieile, wenn ich es allen recht mache, wenn ich perfekter bin, dann wird alles gut!

Die Transaktionsanalyse hält dazu das Konzept der Antreiber bereit. Sie sichern in Situationen des Stress unsere Handlungsfähigkeit und die Zuwendung unserer sozialen Gruppe. Leider führen sie auch aus dem Kontakt mit uns selbst und unseren Mitmenschen. Auch sollte man nicht allzuviel Leidenschaft aufbringen, denn Diamanten verdampfen bei hohen Temparaturen. Was bleibt dann außer Kohlendioxid?

Ich meine, dass es an der Zeit ist, Menschen zur Erlaubnis zu ermutigen, sich frei zu entfalten, zu wachsen, ihre Kreativität und Potenziale achtsam zu entwickeln. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Erkenntnis zählt, in der Menschen ihre Freude entdecken dürfen, ihren höchst eigenen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten.

Wer gerne über sich und seinen Sinn im Leben nachdenken mag, der ist herzlich eingeladen, sich mit der Transaktionsanalyse zu beschäftigen. Den ersten Enstieg dazu bietet der Einführungskurs in Transaktionsanalyse (101).


 

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